Jahresbericht 2007

TNr. 37: Energieeinsparpotenzial bei der Universität Erlangen-Nürnberg

Wärmetauscher

Durch den Einbau von Wärmerückgewinnungsanlagen bei Gebäuden der Universität könnten jährlich 800.000 € an Energiekosten eingespart werden. Die Kosten für CO2-Kontingente sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Der ORH fordert, Maßnahmen zur Wärmerückgewinnung bei geeigneten Gebäuden möglichst zügig durchzuführen.

37.1    Ausgangssituation


Im Rahmen der Querschnittsprüfung „Wärmeenergieerzeugung bei öffentlichen Gebäuden“ hat ein Staatliches Rechnungsprüfungsamt Gebäude der Universität Erlangen-Nürnberg untersucht. Die Bauten aus den 70er Jahren waren nach den damaligen Wärmeschutzvorschriften errichtet und mit raumlufttechnischen Anlagen ausgestattet. Ein Heiz- und Kühlregister im Zuluftkanal erwärmt oder kühlt die angesaugte Außenluft je nach Bedarf. Um die hygienischen Anforderungen sicherzustellen, ist eine stetige Lufterneuerung erforderlich. Die verbrauchte Raumluft wird über Abluftkanäle nach außen geleitet. Dabei bleibt das darin vorhandene Energiepotenzial ungenutzt (im Winter Wärme-, im Sommer Kälteenergie). Wegen der zusätzlichen Kosten und der niedrigen Energiepreise wurden damals Wärmerückgewinnungsanlagen (WRG-Anlagen) nicht vorgesehen.

37.2    Verbesserungsvorschlag des ORH


Durch den Einbau von WRG-Anlagen wäre es möglich, bis zu 80% des in der Luft enthaltenen Energiepotenzials zu nutzen. Bei der Prüfung wurden elf Gebäude untersucht, bei denen der Einbau solcher Anlagen aus technischer Sicht möglich und auch kurzfristig umsetzbar ist. Diese Gebäude haben eine räumlich getrennte Zu- und Abluftführung. Deshalb können hier aus wirtschaftlicher Sicht nur sog. Kreislaufverbundsysteme eingebaut werden. Die WRG-Anlagen leiten die in der Abluft enthaltene Energie über ein Wasserumlaufsystem in den Zuluftkanal, wodurch die Außenluft im Winter erwärmt und im Sommer gekühlt wird.

37.3    Einsparungen

37.3.1    Energiekosten


Nach überschlägiger Kostenermittlung entstehen beispielsweise bei einer häufig vorzufindenden Lüftungsanlage mit 50.000 m³/h Luftvolumenstrom Investitionskosten von 150.000 €. Die jährlichen zusätzlichen Stromkosten liegen bei 5.000 €. Dem stehen jährliche Einsparungen bei der Wärmeerzeugung von 35.000 € gegenüber. Daraus errechnet sich eine Amortisationsdauer von fünf Jahren; nach den bisherigen Erfahrungen geht man von einem Zeitraum von vier bis höchstens acht Jahren aus.

Nach Einschätzung des ORH können allein bei den untersuchten Gebäuden jährlich bis zu 20 Mio kWh oder 2 Mio Liter Heizöl eingespart werden. Unter Berücksichtigung der Investitionskosten und der aktuellen Energiepreise entspricht dies jährlich 800.000 €, bezogen auf die 20jährige Nutzungsdauer der Anlagen 16 Mio €.

37.3.2    CO2-Emission


Die Verminderung der CO2-Emission ist eine der wichtigsten Aufgaben im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Treibhauseffektes. Sie hat aber auch direkte wirtschaftliche Auswirkungen.

Die Universität als Betreiberin einer Feuerungsanlage von mehr als 20 MW benötigt eine Genehmigung zum Freisetzen von Treibhausgasen und nimmt am Emissionshandelssystem teil. Für die CO2-Handelsperiode 2005 bis 2007 wurden für das Fernheizwerk Süd insgesamt Emissionen von 28.824 t CO2 zugeteilt. Nach derzeitigem Stand wird das Heizwerk voraussichtlich 34.050 t CO2 emittieren, also 5.226 t mehr als zugewiesen. Zukünftig werden die Kontingente noch restriktiver vergeben werden.

Für die Universität bedeutet dies den entsprechenden nachträglichen Zukauf von Kontingenten oder die Zahlung einer Strafe für die Überschreitung. Der Preis für die Kontingente ist witterungs- bzw. marktabhängig. Derzeit beträgt er wegen des zurückliegenden milden Winters noch 0,18 €/t CO2. Es gibt jedoch Prognosen, die von einem Anstieg auf bis zu 50 €/t ausgehen. Bei Überschreiten der Kontingente würde für 2007 eine Strafe von 40 €/t CO2 und ab 2008 von 100 €/t CO2 fällig werden.

Durch den Einbau der WRG-Anlagen könnten jährlich 4.000 t CO2 eingespart werden. Dadurch würden die steigenden Kosten für den CO2-Ausstoß gemindert. Zudem würde ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet.

37.4    Empfehlung des ORH


Der ORH hält es für dringend geboten, bei der Universität Erlangen-Nürnberg die durch WRG-Anlagen möglichen Energieeinsparpotenziale zu nutzen. Der Einbau solcher Anlagen sollte bei geeigneten Gebäuden baldmöglichst erfolgen.

Bei Gebäuden anderer Universitäten, die ebenfalls in den 70er- und 80er-Jahren erbaut wurden, liegen nach Auffassung des ORH ähnliche Verhältnisse vor. Die Verwaltung sollte deshalb prüfen, inwieweit auch dort ein Einbau von WRG- oder anderen Anlagen wirtschaftlich ist und in welchem Zeitraum er umgesetzt werden kann.

37.5    Stellungnahme der Verwaltung


Das Staatsministerium hält eine Nachrüstung geeigneter Universitätsbauten mit WRG-Anlagen für sinnvoll, weist aber auf die knappen Haushaltsmittel hin. Mit einem Betrag von 150.000 € aus den zentralen Ansätzen des Staatsministeriums werde ein Pilotprojekt realisiert, um die Einspareffekte zu untersuchen.

Die Oberste Baubehörde (OBB) befürwortet im Hinblick auf die drastisch gestiegenen Energiepreise ebenfalls den Einbau von WRG-Anlagen. Die Bauämter wurden mit Schreiben vom 18.09.2007 bereits um entsprechende ressortübergreifende Untersuchungen bis 15.02.2008 gebeten.

Im Übrigen verweist die OBB auf den Klimaaktionsplan 2020, der ein Sonderprogramm zur energetischen Sanierung staatlicher Gebäude mit einem Kostenrahmen von voraussichtlich 200 Mio € enthalte.

37.6    Schlussbemerkung des ORH


Die Reaktionen des Staatsministeriums und der OBB tragen dem Anliegen des ORH Rechnung. Insgesamt sollte die Durchführung der Maßnahmen zur Wärmerückgewinnung möglichst zügig erfolgen.