Sonderbericht

Ursachen der Kostensteigerung beim Neubau der Pinakothek der Moderne in München (2002)

Anlagen zum Sonderbericht

 


 

Die Entscheidung, den mit dem 1. Preis des Architektenwettbewerbs ausgezeichneten Entwurf mit all seinen signifikanten Architekturelementen zu bauen, z.B. 25 m hohe Rotunde mit verglaster Kuppel, diagonale Raumdurchdringungen, großzügige trapezförmige Treppenanlagen und Dachverglasungen erheblichen Ausmaßes, beeinflusste mit dem daraus resultierenden Ausbaustandards die Baukosten entscheidend. Gemessen an der Größe und Ausführungsqualität des Bauwerks wurden die Kosten von 200 Mio DM zu gering veranschlagt. Sie wurden festgelegt, ohne dass die Planung des Gebäudes fertig und die baulichen Standards der für das Museum wesentlichen Ausführungsdetails vorgegeben waren, z.B. monolithische Betonfassade, Raumluftqualitäten, Tageslicht- und Sonnenschutzsteuerung, Bodenbeläge, Sicherheitskonzept. Im Hinblick darauf war die ursprüngliche Kostengrenze von 200 Mio DM nicht realistisch.

Während der Planungs- und Bauzeit wurden über 50 z.T. sehr kostenwirksame Änderungen der Planung und des Standards durchgeführt (vgl. TNr. 2), so dass die Kosten inzwischen auf 237,5 Mio DM veranschlagt werden mussten. Das Missverhältnis zwischen festgelegtem Kostendeckel und den Kosten der tatsächlichen Bauausführung wurde wegen mängelbehafteter Baukostenkontrolle nicht rechtzeitig erkannt.

Nicht ausgereifte Planungen und Ausführungsmängel (insbesondere der Dachkonstruktion und Dachabdichtung, Putz, Verglasungen) führten in mehreren Fällen zu Änderungen und sogar zu Neuerstellung bereits ausgeführter Bauteile. Bei der Dachkonstruktion ist auch nach aufwendiger Sanierung zu befürchten, dass Bauunterhaltsarbeiten auf Dauer notwendig werden. Zu enge Terminvorgaben, die nicht eingehalten werden konnten, führten zu erheblichen Störungen im Bauablauf.

Aus diesen Mängeln ergaben sich viele Streitigkeiten zwischen den Beteiligten, die den Bauablauf zusätzlich hemmten. Regressforderungen, Honoraransprüche, Ersatzvornahmen, hohe Nachtragsforderungen, Kosten wegen Bauzeitverlängerungen usw. in Höhe von 14,2 Mio DM werden zurzeit unter Mitwirkung der eingesetzten Arbeitsgruppe bearbeitet. 7,5 Mio DM davon sind in den genehmigten Kosten enthalten. Der Rest ist noch vom ungewissen Ausgang der Verhandlungen bzw. von Rechtsstreitigkeiten abhängig. Schon deswegen stehen für den ORH die veranschlagten 237,5 Mio DM noch nicht endgültig fest.

Angesichts der hohen Bedeutung der Baumaßnahme wäre eine straffe und effiziente Projektorganisation mit einem verantwortlichen Entscheidungsgremium und einem qualifizierten Projektteam für Projektsteuerung und Projektabwicklung notwendig gewesen.