Amtsleiterwechsel beim Rechnungsprüfungsamt Bayreuth

Am 28.06.2013 verabschiedete der Präsident des Bayerischen Obersten Rechnungshofs, Dr. Heinz Fischer-Heidlberger, den Amtsleiter des Staatlichen Rechnungsprüfungsamts Bayreuth, Regierungsdirektor Karl-Heinz Schreyer, in den Ruhestand.

Gleichzeitig übertrug der die Leitung des Amtes an Oberregierungsrätin Waltraud Krupinski.

Es gilt das gesprochene Wort!

Ansprache des Präsidenten Dr. Heinz Fischer-Heidlberger am 28.06.2013 in Bayreuth

Sehr geehrte Frau Schreyer, sehr geehrte Frau Krupinski, sehr geehrter Herr Krupinski, sehr geehrte Damen und Herren, lieber Herr Schreyer!

Auch ich möchte Sie, allen voran natürlich Herrn Schreyer und Frau Krupinski sehr herzlich in diesem schönen Raum, im „Landrätesaal" der Regierung von Oberfranken willkommen heißen.

Ich freue mich sehr, dass Sie meiner Einladung zur Verabschiedung des Leiters des Staatl. Rechnungsprüfungsamts Bayreuth, Herrn Karl-Heinz Schreyer, und gleichzeitiger Übertragung dieser Funktion an Frau Waltraud Krupinski gefolgt sind.

Für alle, die noch nicht in diesem Raum waren, darf ich vorwegschicken, dass der Landrätesaal, zusammen mit dem Empfangszimmer und dem Arbeitszimmer des Regierungspräsidenten, ein Kleinod der Innenarchitektur des Jugendstils ist. Die drei Räume, die der Architekt und Professor Martin Dülfer entworfen hat, wurden vor ihrem Einbau im Jahre 1904 auf der Weltausstellung in St. Louis, USA, gezeigt. Sie stellten die Leistungsfähigkeit des deutschen Kunsthandwerks eindrucksvoll unter Beweis. Der Landrätesaal wurde damals mit dem Grand Prix ausgezeichnet.

Herr Regierungspräsident Wenning: ein ganz herzliches Dankeschön dafür, dass Sie uns mit diesem Raum einen würdigen Rahmen für die heutige Veranstaltung schaffen.

Doch jetzt zum wichtigsten Anlass der heutigen Veranstaltung:

Lieber Herr Schreyer, wir möchten Sie heute in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden - und dazu gehört natürlich ein Blick auf Ihr, wie ich meine, erfolgreiches Berufsleben.

1970 haben Sie nach der Regierungsinspektorprüfung Ihre „Karriere" - nach einem kurzen Ausflug zur BFD München - bei der damaligen Staatsoberkasse Bayreuth begonnen. Diese gehörte damals organisatorisch zur BFD Ansbach. Wie Sie alle wissen, hat sich im Bereich der Staatsfinanzverwaltung viel verändert: die Aufgaben der BFDen wurden im heutigen Landesamt für Finanzen gebündelt. Außerdem führten IT-Entwicklungen zu zentralen Organisationslösungen wie z.B. beim Kassenwesen, wo Sie, Herr Schreyer, tätig waren.

Gerade bei den Veränderungen in der Staatsfinanzverwaltung hat sich die Rechnungsprüfung immer wieder erfolgreich eingebracht. Ich denke dabei an die Messzahlenuntersuchungen des ORH aus den 90er Jahren zur Reisekosten-, Bezüge- und Beihilfeabrechnung, an die Forderung nach Konzentration und Automation der Reisekostenabrechnung oder an die Forderung aus dem Jahre 2004 nach einem einheitlichen Personalverwaltungssystem.

Doch zurück zu Ihnen Herr Schreyer: Bei der Staatsoberkasse Bayreuth waren Sie zunächst Buchungsstellenleiter, dann Arbeitsgebiets- und Verwaltungsstellenleiter. Sie waren auch Lehrbeauftragter in den Fächern Kassenwesen und Haushaltsrecht.

In Ihren verschiedenen Funktionen erarbeiteten Sie sich einen sehr, sehr guten Ruf, der auch Herrn Sammet, dem damaligen Amtsleiter beim RPrA Bayreuth, nicht verborgen blieb. Er hat Sie 1987 zum RPrA Bayreuth lotsen können.

Hier waren Sie viele Jahre als „Landratsamtsprüfer" eingesetzt. Sie beackerten eine Vielzahl von Prüfungsthemen: Wohngeld, Abwasserabgabe, Schülerbeförderung, UVG, Ausbildungsförderung, Schulfinanzierung, usw.

Die Prüfungsfeststellungen zu diesen Themen finden sich immer wieder in unseren Jahresberichten und haben teilweise sogar zu gesetzlichen Änderungen geführt.

Auch die „Landratsamtsprüfung" hat sich ab Mitte der 90er Jahre stark verändert: es wurden Schwerpunktämter gebildet; die Prüfungen wurden gerade in diesem Bereich mehr und mehr vom ORH gesteuert; Personalressourcen wurden frei.

Sehr geehrter Herr Schreyer, Ihre Arbeitsergebnisse wurden mit einem schnellen Fortkommen und schließlich im Jahre 2000 mit der Zulassung zum Aufstieg belohnt. Das war ein wichtiger Meilenstein in Ihrem Werdegang.

2002 wurden Sie zum Vertreter des Amtsleiters, Herrn Güntsch, bestellt.

Mit Ihren Erfahrungen und Ihrer sozialen Kompetenz haben Sie sich 2007 für die Amtsleiterstelle beim RPrA Bayreuth beworben und am 1.11.2007 die Nachfolge von Herrn Güntsch angetreten.

Als Amtsleiter und Prüfungsbereichsleiter haben Sie sich schnell in die neuen Themen eingearbeitet. Engagiert haben Sie Ihre Prüferinnen und Prüfer bei ihren Prüfungen begleitet. Sie haben ihnen vertraut und ihnen ausreichend Spielraum gegeben.

„Ein guter Chef macht nicht alle Fehler selbst, er gibt auch anderen eine Chance!", steht auf einem Schild in Ihrem Dienstzimmer. Ich denke, dieser Spruch passt zu Ihrer Führungsphilosophie: nur wer seinen Mitarbeitern das Gefühl gibt, ausreichend zu delegieren, darf gute Leistungen und Motivation erwarten.

Bei gemeinsamen Prüfungen haben Sie Wert darauf gelegt, dass Kontakte zu den Prüfern in anderen Rechnungsprüfungsämtern und im ORH gesucht werden. Sie haben für die Ergebnisse Ihrer Prüfer bei den zuständigen Prüfungsgebietsleitern geworben. Mit Erfolg! Ich denke dabei z.B. an die Prüfung des ZBFS, an die Prüfung der Wasserschutzpolizei, an die Prüfung der Landesgartenschauen und der Nationalparks, an die Prüfungen der Hochschulen, und, und, und.

Natürlich haben Sie, wie Ihre Amtsleiterkollegen auch, noch mehr eigene Prüfungen und mehr Kompetenzen für die Rechnungsprüfungsämter eingefordert. Darüber haben wir oft bei Arbeitsplanbesprechungen oder bei den Klausurtagungen gesprochen. Seien Sie versichert: Die Möglichkeiten, Prüfungsaufgaben zu delegieren, werden von den Kleinen Kollegien im ORH sehr sorgfältig abgewogen!

Mehrmals habe ich heute das Wort Veränderung in den Mund genommen. Schon die alten Griechen (Heraklit) haben herausgefunden, dass „alles im Fluss ist". Dem kann ich nicht widersprechen. Im Gegenteil: ich habe sogar den Eindruck, dass selten so viel im Fluss ist wie heute.

Lieber Herr Schreyer, ab kommenden Montag verändert sich für Sie der Alltag: Sie haben jetzt mehr Zeit für Ihre vier Enkel. Sie haben mehr Zeit für Wanderungen in der Fränkischen Schweiz.

Heute sage ich Ihnen herzlichen Dank für alles, was Sie in Ihren fast 46 Berufsjahren für den Freistaat Bayern und hier insbesondere in der Rechnungsprüfung geleistet haben.

Ihnen, sehr geehrte Frau Schreyer, danke ich, dass Sie Ihren Mann auf seinem beruflichen Weg begleitet und immer unterstützt haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch für Sie eine Zeit der Veränderung kommt. Alles, alles Gute!

Sehr geehrte Frau Krupinski,

RS2502 230x329pxin der Süddeutschen Zeitung vom vergangenen Wochenende war von der „German Angst" zu lesen: die Deutschen (gemeint waren die Führungskräfte großer Firmen) seien zögerlich geworden, sie würden vor Risiken und Herausforderungen zurückschrecken.

Frau Krupinski, zu diesen Menschen gehören Sie sicherlich nicht! Sie haben die Risiken abgewogen, haben sich erfolgreich für die Amtsleiterstelle beworben und stellen sich jetzt neuen Herausforderungen.

Wie im Auswahlgespräch bereits gesagt, haben Sie als Amtsleiterin eine wichtige Führungsfunktion im System der Rechnungsprüfung inne. Sie kennen meine Erwartung, dass Sie als Amtsleiterin die Veränderungsprozesse aktiv mitgestalten sollen. Die Lebenserfahrung zeigt, dass es relativ einfach ist, Bewährtes zu pflegen. Schwieriger wird es schon, Bewährtes zu optimieren. Das nimmt sich z.B. jeder Pfadfinder vor, sein Ziel ist „die Welt besser zu verlassen, als er sie heute vorfindet". Ganz schwierig wird es aber, aus bewährten Bahnen auszubrechen, die Denkrichtung zu wechseln, und Neuland zu betreten; dazu gehört viel Mut und natürlich mühsame Arbeit. Finden Sie die richtige Mischung, dann werden Sie erfolgreich sein!

Ich habe des Öfteren schon gesagt und wiederhole heute: Mir ist die Qualität der Arbeit in der Rechnungsprüfung sehr wichtig. Wir sind ständig gefordert und haben jeden Tag aufs Neue Glaubwürdigkeit und einen guten Ruf zu verteidigen.

Dazu müssen wir die richtigen Themen angehen; wir müssen konkret planen und klare Ziele definieren; wir müssen zügig und effizient prüfen, sorgfältig, qualifiziert und umfassend arbeiten; unsere Prüfungsergebnisse müssen belastbar sein; wir müssen auf die Effizienzsteigerung der geprüften Stellen zielen und finanzielle Auswirkungen aufzeigen; wir müssen konstruktive Kritik üben, Lösungen aufzeigen, präventiv und zukunftsgerichtet wirken; wir müssen am Ende einer jeden Prüfung kritisch in den Spiegel schauen und fragen, ob die Ziele erreicht wurden. Erst dann genügen wir unserem Qualitätsanspruch!

Als Amtsleiterin müssen Sie natürlich auch Verantwortung übernehmen und Führungsstärke beweisen. Sie werden es wohl nicht schaffen, es allen Mitarbeitern immer recht zu machen. Dies gelingt übrigens keiner, zumindest keiner guten Führungskraft. Erwartungen zu artikulieren und Leistungen einzufordern, ist nicht immer angenehm. Aber seien Sie versichert: es schafft Gerechtigkeit, Motivation und damit Zufriedenheit bei Ihren Beschäftigten! Als langjährige Vertreterin des Amtsleiters wissen Sie das sicherlich.

Als Amtsleiterin bewegen Sie sich ständig im Spannungsfeld zwischen Ihren Prüfern einerseits und dem ORH, den zuständigen Prüfungsgebieten und Kleinen Kollegien andererseits. Kommunikation wird Ihnen helfen, die Vorgaben und Prüfungsziele im Auge zu behalten. Ich denke, Sie wissen aus Ihrer langjährigen Prüfertätigkeit, worauf es in der Zusammenarbeit der RPrÄ mit dem ORH ankommt.

RS2503 230x160pxSie bringen aufgrund Ihrer Ausbildung in der Inneren Verwaltung eine solide Basisqualifikation mit, haben über 10 Jahre Verwaltungserfahrung bei der Regierung von Oberfranken im Förderbereich gesammelt und sind seit nunmehr 25 Jahren als Prüfungsbeamtin beim RPrA Bayreuth tätig. Sie haben zunächst kommunale Hoch- und Tiefbaumaßnahmen sowie Straßenunterhaltungszuschüsse geprüft. Ab 1994 hat sich Ihr Aufgabenfeld um die Prüfung wasserwirtschaftlicher Fördermaßnahmen erweitert, die nach und nach zum Schwerpunkt wurden. 2002 wurden Sie zum damaligen Aufstieg in den höheren Dienst zugelassen und waren seither Prüferin mit herausgehobenen Aufgaben. 2007 wurden Sie zur Stellvertreterin des Amtsleiters bestellt. Der heutige Schritt, die Bestellung zur Amtsleiterin, ist nur konsequent.

Nur nebenbei sei bemerkt: Erstmals in der 60jährigen Geschichte der Rechnungsprüfungsämter übernimmt mit Ihnen eine Frau die Amtsleiterfunktion. Also auch hier verändert sich etwas, ist etwas im Fluss.

Frau Krupinski, ich setze auf Sie und bin überzeugt, dass Sie die Anforderungen erfüllen werden.

Neue Herausforderungen warten auf Sie und auf uns alle:

Als Erstes möchte ich die Entwicklungen im Presse- und Informationsrecht nennen. Immer mehr Rechnungshöfe wurden inzwischen von Gerichten dazu verurteilt, auf der Grundlage von Pressegesetzen oder Informationsfreiheitsgesetzen Auskünfte aus ihren Prüfungen zu erteilen, bis hin zur Herausgabe von Prüfungsmitteilungen. Wir haben in Bayern einen starken gesetzlichen Auskunftsanspruch der Presse und wir werden früher oder später auch ein Informationsfreiheitsgesetz bekommen. Wir müssen also damit rechnen, dass unsere Arbeit - und die Inhalte unserer Prüfungsmitteilungen - viel stärker in der Öffentlichkeit stehen. Das wird Auswirkungen auf die Arbeitsweise im ORH und bei den RPrÄ haben. Wir haben uns auf der Klausurtagung der Kollegialmitglieder Anfang April in Bernried damit intensiv beschäftigt.

Ein weiteres wichtiges Thema wird in den nächsten Jahren die Einführung der Elektronischen Akte sein. Wir haben uns dazu entschlossen, sie zunächst in der Registratur des ORH einzuführen. Betroffen sein werden zunächst nur geeignete Bereiche der Präsidialabteilung im ORH. Aber ich denke, dass schon sehr bald auch der Arbeitsalltag von uns allen betroffen sein wird. Wir müssen neu festlegen, was alles in eine Akte gehört, welche Vorgänge wie dokumentiert werden müssen. Dazu müssen wir den Ist-Zustand erfassen. Nur auf dieser Basis können die Soll-Abläufe für eine einheitliche Aktenführung festgelegt werden. Das wird die Arbeit im ORH und natürlich auch bei den Rechnungsprüfungsämtern sehr stark beeinflussen und verändern. Ich rufe Sie alle schon jetzt auf, hier aktiv mitzuarbeiten und mitzugestalten.

Sehr geehrte Frau Krupinski, Sie sehen: Es kommt einiges Neues auf Sie zu.

Für Ihre Aufgabe als Amtsleiterin beim RPrA Bayreuth wünsche ich Ihnen noch einmal alles Gute, viel Kraft und Ausdauer sowie das notwendige Quäntchen Glück bei allen Ihren Entscheidungen. Ich freue mich auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Ihnen!

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des RPrA Bayreuth, für Sie heißt der Amtsleiterwechsel natürlich ebenfalls Veränderung. Meine Bitte: Unterstützen Sie Frau Krupinski! Helfen Sie mit, dass Frau Krupinski einen guten Start hat! Vertrauen Sie ihr! Wenn jeder mithilft, profitieren alle, profitiert die gesamte Arbeit in der Rechnungsprüfung.

Mit der Bestellung von Frau Krupinski zur Amtsleiterin ist auch die Stellvertretung des Amtsleiters neu zu regeln.

Sehr geehrter Herr Anders, Sie gehören schon lange zu den Leistungsträgern beim RPrA Bayreuth. Ich kenne Ihre Einsatzbereitschaft, ich kenne einen Teil Ihrer guten Prüfungsergebnisse. So waren Sie an den Prüfungen des Bayerischen Roten Kreuzes, an der Prüfung des ZBFS und an vielen anderen Prüfungen beteiligt und haben gute Prüfungsergebnisse erzielt. Sie haben sich ein hohes Ansehen bei Ihren Vorgesetzten, aber auch bei Ihren Kolleginnen und Kollegen bei den Rechnungsprüfungsämtern und im ORH erarbeitet. Ich freue mich deshalb, dass ich Sie heute zum Vertreter von Frau Krupinski bestellen darf.

Ich weiß, dass Sie sich gerne dieser Herausforderung stellen, dass Sie gerne Verantwortung übernehmen wollen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute für die neuen Aufgaben!