Amtsleiterwechsel beim Rechnungsprüfungsamt Regensburg

Am 28.08.2012 verabschiedete ORH-Präsident Dr. Fischer-Heidlberger den Amtsleiter des Staatlichen Rechnungsprüfungsamts Regensburg, Ltd. Regierungsdirektor Jürgen Hartung, in den Ruhestand.

Gleichzeitig übertrug er die Leitung des Amtes an Regierungsdirektor Norbert Blaszczyk.

Ansprache von Präsident Dr. Heinz Fischer-Heidlberger am 28.08.2012 in Regensburg

Sehr geehrte Frau Hartung, sehr geehrte Frau Blaszczyk, sehr geehrter Herr Blaszczyk, lieber Herr Hartung, sehr geehrte Damen und Herren,

Ich darf Sie alle hier im Dienstgebäude des Staatl. Rechnungsprüfungsamts Regensburg sehr herzlich willkommen heißen.

Ich freue mich sehr, dass Sie trotz Urlaubszeit (und sommerlicher Temperaturen) meiner Einladung zur Verabschiedung des Leiters des Staatlichen Rechnungsprüfungsamts Regensburg, Herrn Jürgen Hartung, und gleichzeitiger Übertragung der Leitung des Amtes an Herrn Norbert Blaszczyk gefolgt sind. Ganz besonders freut es mich begrüßen zu dürfen:

  • meinen Vorgänger im Amt des ORH-Präsidenten, Herrn Alfons Metzger, der hier in Regensburg seine zweite Heimat hat,
  • den früheren Vorsitzenden des Haushaltsausschusses, Herrn MdL a.D. Manfred Ach, dem die Rechnungsprüfung in Bayern und insbesondere die Rechnungsprüfungsämter nach wie vor besonders am Herzen liegen,
  • den Vizepräsidenten der Regierung der Oberpfalz, Herrn Johann Peißl
  • und den Leiter der Dienststelle Regensburg des Landesamts für Finanzen, Herrn Herbert Ettle.

Immer wenn ich hierher in dieses Gebäude komme, muss ich darüber staunen, wie gut doch bei einer Sanierung dieses Gebäudes die städtebaulichen Belange, der Denkmalschutz und die Belange einer modernen Arbeitswelt unter einen Hut gebracht werden können. Sie alle, die jetzt in diesem Gebäude arbeiten, profitieren davon. Sie haben hier in der Obermünsterstraße, am Rande der Altstadt von Regensburg und in der Nähe des Bahnhofs einen modernen Arbeitsplatz mit besten Rahmenbedingungen. Diese sind Voraussetzung und Grundlage für qualitativ hochwertige Arbeit.

Sehr geehrter Herr Hartung, um es vorwegzunehmen, dieses Dienstgebäude trägt auch Ihre Handschrift. Es hat Ihnen sicherlich viel Einsatzbereitschaft abverlangt. Ihre Bestellung zum Amtsleiter zum 01.07.2005 fiel in das Jahr, in dem die Umbauplanungen für das ehemalige Finanzamtsgebäude in der Obermünsterstraße 16 begonnen wurden. Es stand bald fest, dass das Staatl. Rechnungsprüfungsamt nicht von den angemieteten Dienstgebäuden in der Adolf-Schmetzer-Straße in ein ehemaliges Kasernengebäude am Stadtrand oder das Gebäude der Oberforstdirektion, sondern hierher umziehen darf. Bereits zum 01.05.2007 ist das Rechnungsprüfungsamt hier eingezogen, wenngleich die Sanierungsarbeiten noch eine Weile fortdauerten und erst im Frühjahr 2010 mit der sehr gelungenen Gestaltung des Innenhofs abgeschlossen werden konnten. Wie man sieht, hat sich Ihr Einsatz, Ihr steter Kampf mit der Bauverwaltung und mit dem ORH wegen zusätzlicher Haushaltsmittel gelohnt. Dank Ihres Verhandlungsgeschicks und Ihres Organisationstalents können Sie Ihrem Nachfolger ein tolles Dienstgebäude übergeben.

Heute, nach sieben Jahren in der Funktion des Amtsleiters beim Staatl. Rechnungsprüfungsamt Regensburg und insgesamt 47 Berufsjahren, dürfen wir Sie in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden, --- nach einem, wie ich meine, bemerkenswerten und erfolgreichen beruflichen Weg.

Dieser begann am 01.10.1965 als Forstlehrling für den gehobenen Forstdienst beim Forstamt Mauth-Ost. Nach zwei Jahren als Zeitsoldat und daran anschließend drei Jahren Vorbereitungsdienst legten Sie 1973 die Revierförsterprüfung ab. Nach einer kurzen Station beim Forstamt Heigenbrücken im Spessart („zur besonderen Verwendung") waren Sie dann bis 1989 beim Forstamt Immenstadt als Förster tätig. Mit Ihren beruflichen Erfahrungen im „operativen" Forstdienst wechselten Sie 1990 an den ORH - damaliger PGL war LMR Dr. Bichlmeier. Hier waren Sie bis 2005 als „Forstprüfer" eingesetzt. Ihre fachliche Kompetenz brachten Sie in wichtige Themen wie die Schutzwaldsanierung oder die Staatsjagd ein; Themen, die immer wieder in die Jahresberichte des ORH aufgenommen wurden. Für schöne Schlagzeilen in Presse und Rundfunk sorgte Ihr Prüfungsergebnis, wonach allein im Jahre 1991Drahtzäune als Wildabwehrmaßnahme errichtet und aus öffentlichen Mitteln finanziert wurden, die von München bis Peking reichen würden. Die Reduzierung der Rehwildbestände zur Senkung der Verbissschäden war Ihnen ein besonderes Anliegen Ihre forstliche Kompetenz in Theorie und Praxis war bei Ihren Vorgesetzten, aber auch bei den Kollegen im ORH und bei den Rechnungsprüfungsämtern immer gefragt, z. B. bei der Forstreform oder im Zusammenhang mit dem Sonderbericht zur Privatwaldberatung. Die Staatsjagd und die Staatsforsten bieten schon über viele Jahre einen reich gedeckten Tisch für Prüfungen. Angesichts des staatlichen Anspruchs, effiziente Strukturen zu haben, und angesichts der Interessen der verschiedenen Lobbyverbände werden sich weitere Generationen von Prüfern mit diesen Themen befassen können.

In Ihrer Zeit als Forstprüfer im ORH hat sich die Art der Prüfung sehr stark verändert: zum einen wurden Themen wie die Schutzwaldsanierung, mit der Sie intensiv befasst waren, mehr und mehr im Team geprüft; zum anderen hat der IT-Einsatz bei Prüfungen mehr und mehr Bedeutung bekommen. Gerade in den Anfängen des IT-Einsatzes in der Rechnungsprüfung waren Sie einer der Vorreiter und haben es verstanden, neue Wege mit Hilfe neuer Technik zu gehen. Schon Anfang der 90er Jahre war die IT-Sicherheit in der Rechnungsprüfung wie heute ein wichtiges Thema - Sie kennen die laufenden Diskussionen. Allerdings waren Sie in diesem Punkt mit dem damaligen IT-Referenten nicht immer einer Meinung.

Neue Herausforderungen haben Sie immer gesucht. 2005 wurde Ihnen dann die Funktion des Leiters des Staatl. Rechnungsprüfungsamts Regensburg übertragen.

Die Rechnungsprüfungsämter (mit Ausnahme von Bayreuth) bestehen nun seit 60 Jahren. Sie haben sich in dieser Zeit zu einer festen Größe im System der Rechnungsprüfung entwickelt. Deren Arbeit findet hohe Akzeptanz nicht nur im ORH, sondern auch bei den geprüften Stellen. In diesen 60 Jahren hat sich aber auch Einiges geändert: So wurde insbesondere die regionale Zuständigkeit der einzelnen Rechnungsprüfungsämter so gut wie aufgegeben, fachliche Schwerpunkte mit kompetenten Prüferteams wurden bei den Ämtern gebildet. Die Rechnungsprüfungsämter werden heute viel enger in die Arbeit des ORH eingebunden als früher. Die Steuerung der Prüfungen der Rechnungsprüfungsämter erfolgt heute im Sinne übergreifender Zielsetzungen intensiver durch die Kleinen Kollegien im ORH.

Doch zurück zu Ihnen, Herrn Hartung: In Ihre Aufgaben als Amtsleiter und Prüfungsbereichsleiter beim RPrA Regensburg haben Sie sich schnell eingearbeitet. Sieben Prüfungsschwerpunkte sind am Standort Regensburg eingerichtet, von denen Sie drei abdecken mussten, die Ihnen noch dazu fachfremd waren. In Ihrer siebenjährigen Amtszeit haben Sie viele Ideen eingebracht und das Eine oder Andere verändert. Bürokratie mochten Sie weniger, Sie suchten eher pragmatische Lösungen. Ihre schlagkräftige Prüfermannschaft hat sich durch verschiedene Personalwechsel verjüngt. Die Weichen für die erste Frau im Prüfungsdienst beim Regensburger Amt haben Sie gerade noch rechtzeitig gestellt. Verantwortungsvoll, gerecht, glaubwürdig und loyal - mit diesen Eigenschaften ist es Ihnen gelungen, Ihre Prüfer und das Verwaltungspersonal für ihre Aufgaben zu motivieren.

Wie auch anderen Amtsleitern und Prüfungsbereichsleitern war es Ihnen wichtig, dass dem Rechnungsprüfungsamt mehr eigenständige Prüfungen übertragen werden. Für diesen Wunsch habe ich durchaus Verständnis. Doch die Entscheidungen darüber treffen in jedem Einzelfall die Kleinen Kollegien im ORH, die die Arbeitsplanung festlegen. Sie müssen schließlich jede Prüfung verantworten.
Mit diesem Thema, aber auch mit der Zusammenarbeit ORH / RPrÄ im Allgemeinen haben wir uns auf der Klausurtagung des Großen Kollegiums im Frühjahr in Benediktbeuern befasst – und die Meinungen und Erfahrungen hierzu sind doch sehr unterschiedlich. Bei diesen Diskussionen habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Möglichkeiten der Delegation von Prüfungsaufgaben in den Kollegien des ORH sehr gut überlegt und sorgfältig abgewogen werden. Wichtig ist den Kleinen Kollegien im ORH vor allem, dass die Vorgaben in der Arbeitsplanung beachtet und die getroffenen Absprachen eingehalten werden. Die Kommunikation muss stimmen. Wenn noch dazu gute Ergebnisse auf das Papier kommen, scharf getrennt nach Sachverhalt, Prüfungsfeststellungen und Würdigung und insgesamt die Qualität stimmt, besteht nach meinem Eindruck größte Bereitschaft, Prüfungen an die Rechnungsprüfungsämter zur eigenverantwortlichen Durchführung zu delegieren.
Im Ergebnis bedeutet das: als Amtsleiter oder Prüfungsbereichsleiter müssen Sie mit Ihren Prüferinnen und Prüfern mit Ihrer Arbeit überzeugen und so das notwendige Vertrauen in Ihre Arbeit schaffen. Ich bin mir sicher, dass sich die Dinge dann ganz in Ihrem Sinne entwickeln.

Lieber Herr Hartung, mit dem Ende dieses Monats endet nun Ihr aktiver Dienst für den Freistaat Bayern. Für alles, was Sie in Ihren vielen Berufsjahren in Ihren verschiedenen Funktionen für den Freistaat Bayern und hier ganz besonders für die Rechnungsprüfung geleistet haben, spreche ich Ihnen meinen herzlichen Dank und meine Anerkennung aus.

Ihnen, sehr geehrte Frau Hartung, danke ich, dass Sie Ihren Mann auf seinem beruflichen Weg begleitet und unterstützt haben. Beruflich bedingt mussten Sie viele Jahre lang während der Woche auf Ihren Mann verzichten. Mit dem Eintritt in den Ruhestand wird sich das wieder ändern!

Sehr geehrte Frau Hartung, sehr geehrter Herr Hartung, ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute, vor allem eine gute Gesundheit und viel Zeit für - und miteinander. Nutzen Sie die Zeit, die Ihnen bisher für gemeinsame Aktivitäten fehlte.

Sehr geehrter Herr Blaszczyk,

Sie haben sich im Auswahlverfahren gegenüber ebenfalls sehr gut qualifizierten Kollegen durchgesetzt. Die Entscheidung habe ich mir nicht leicht machen können. Nicht alle Personalauswahlentscheidungen laufen so problemlos wie diese. So ist z. B. noch immer nicht die Nachfolge von Herrn Vizepräsidenten Fischer entschieden. Wie Sie sicherlich wissen, muss sich das Verwaltungsgericht erneut mit der getroffenen Auswahlentscheidung befassen. Aber das ist nun mal das Recht eines unterlegenen Bewerbers, Auswahlentscheidungen anzugreifen.

Sehr geehrter Herr Blaszczyk, Sie stehen vor einer neuen beruflichen Herausforderung. Als Straßenbauingenieur setzen Sie die Reihe der Techniker in der Funktion des Amtsleiters in Regensburg fort. Als Amtsleiter und Vorgesetzter übernehmen Sie eine wichtige Führungsaufgabe, die Sie anders als in Ihrer bisherigen Funktion im ORH fordern wird. Die Funktion des Amtsleiters ist nämlich kein konfliktfreier Schönwetterposten. Der Amtsleiter muss schließlich Verantwortung übernehmen und Führungsstärke beweisen. Sicherlich liegt die Letztverantwortung in Prüfungsangelegenheiten in der Regel beim ORH und hier speziell beim Prüfungsgebietsleiter oder bei der Prüfungsgebietsleiterin bzw. bei den Kleinen Kollegien. Hier Hinweise oder Weisungen unbeachtet zu lassen, kann mitunter gefährlich werden. Hier hilft am meisten Vorfeldarbeit und eine stetige Kommunikation.

Sie, Herr Blaszczyk, haben sich in Ihren 21 Jahren im Prüfungsdienst des ORH einen hervorragenden Ruf als Straßenbauprüfer und Generalienbearbeiter erworben. Sie haben sich in diesen Jahren mehr und mehr zu einem wichtigen Bindeglied in der Zusammenarbeit mit den Rechnungsprüfungsämtern entwickelt. Ihre fachliche Meinung wird im gesamten Geschäftsbereich nachgefragt und anerkannt. Sie wissen auch sehr genau, worauf es in der Zusammenarbeit der Rechnungsprüfungsämter mit dem ORH ankommt. Aus Ihrem Engagement neben Ihren Prüfungsaufgaben kenne ich Ihre soziale Kompetenz. Ich bin überzeugt, dass Sie mit dieser Kompetenz Ihre Führungsrolle verantwortungsvoll und mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl ausüben werden. Ausgleichend, verbindlich, korrekt – so kenne ich Sie, so schätze ich Sie. Mit diesen Eigenschaften werden Sie Ihrer Führungsverantwortung gerecht werden, nach unten, aber auch nach oben. Ich bin mir auch sicher, dass Sie in Ihrer neuen Funktion die Veränderungsprozesse aktiv mitgestalten und sich in die Diskussionen hierzu einbringen.

Aus unseren Gesprächen wissen Sie, dass mir die Qualität der Arbeit in der Rechnungsprüfung sehr wichtig ist. Wir müssen täglich alles tun, damit wir unseren guten Ruf und unsere Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen:
Um unserem Qualitätsanspruch zu genügen, müssen wir die richtigen Themen angehen; wir müssen konkret planen und klare Ziele definieren; wir müssen zügig und effizient prüfen, sorgfältig, qualifiziert und umfassend arbeiten; unsere Prüfungsergebnisse müssen belastbar sein; wir müssen auf die Effizienzsteigerung der geprüften Stellen zielen und finanzielle Auswirkungen aufzeigen; wir müssen konstruktive Kritik üben, Lösungen aufzeigen, präventiv und zukunftsgerichtet wirken; wir müssen am Ende einer jeden Prüfung kritisch in den Spiegel schauen und fragen, ob die Ziele erreicht wurden.

Sie, sehr geehrter Herr Blaszczyk, sind als Amtsleiter wie die gesamte Führungsebene gefordert, diese wichtigen Regeln in der Prüfungstätigkeit als Teil Ihrer Führungsfunktion zu leben. Sie setzen die Leitplanken auf dem Weg, den das Kleine Kollegium in der Arbeitsplanung vorgegeben hat. Sie setzen die Leitplanken dort, wo es kritische Gefahrenpunkte gibt, wo Ihre Prüfer Gefahr laufen, vom Weg abzukommen. Sie greifen ein, wenn ständig im Bankett oder nur auf der Überholspur gefahren wird; sie greifen ein, wenn die Abzweigung verpasst wird oder wenn an unübersichtlicher Stelle zum Überholmanöver angesetzt wird. Lassen Sie aber Ihren Prüfern die Freiheit, je nach Situation schneller oder langsamer zu fahren oder auch einmal anzuhalten, wenn sich der Ausblick lohnt. Fördern Sie also die Kreativität Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wie wir wissen kommen gute Ideen und Gedanken nicht auf Knopfdruck, sie entwickeln und konkretisieren sich in der Kommunikation miteinander. -----
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Staatl. Rechnungsprüfungsamts Regensburg, mit Herrn Blaszczyk bekommen Sie ab 1.9.2012 einen neuen Amtsleiter. Für Sie ist das ein gewisser Einschnitt, der sicherlich eine gewisse Umstellung sowie die eine oder andere Veränderung bedeutet. Unterstützen Sie Herrn Blaszczyk, helfen Sie mit, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen! Wenn das gelingt, wird die gewohnt gute Arbeit fortgesetzt werden können.

Sehr geehrter Herr Blaszczyk, für Ihre neuen Aufgaben als Amtsleiter beim Staatl. Rechnungsprüfungsamt Regensburg wünsche ich Ihnen alles Gute, viel Kraft und Ausdauer sowie das notwendige Quäntchen Glück bei all Ihren Entscheidungen. Das offizielle Bestellungs- und Versetzungsschreiben darf ich Ihnen aushändigen.
Ich gratuliere Ihnen und freue mich auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.