Amtsleiterwechsel beim Rechnungsprüfungsamt Ansbach

Am 28.02.2012 verabschiedete ORH-Präsident Dr. Fischer-Heidlberger den Amtsleiter des Staatlichen Rechnungsprüfungsamts Ansbach, Ltd. Regierungsdirektor Edmund Roßmann. Gleichzeitig übertrug er die Leitung des Amtes an Regierungsdirektor Gerhard Hliwa.

Ansprache von Präsident Dr. Heinz Fischer-Heidlberger am 28.02.2012 in Ansbach

Sehr geehrte Frau Roßmann,
sehr geehrte Frau Hliwa, sehr geehrter Herr Hliwa
sehr geehrte Damen und Herren,
lieber Herr Roßmann!

Ich darf Sie alle in diesem schönen Raum des Staatl. Rechnungsprüfungsamts Ansbach sehr herzlich willkommen heißen. Dies ist sicherlich das Schmuckstück dieses Gebäudes, der „Villa Bischoff".
Ich freue mich, dass Sie alle meiner Einladung zur heutigen Verabschiedung des Leiters des Staatl. Rechnungsprüfungsamts Ansbach, Herrn LRD Edmund Roßmann, und gleichzeitiger Übertragung der Leitung des Amtes an Herrn RD Gerhard Hliwa gefolgt sind. Sie beide, Herr Roßmann und Herr Hliwa, die Sie heute im Mittelpunkt stehen, darf ich mit Ihren Gattinnen ganz besonders begrüßen.

Immer wenn ich hierher kommen darf, freue ich mich, dass wir dieses mit viel Herzblut, aber auch mit viel Geld - nämlich rund 2,5 Mio € - renovierte Gebäude aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts für die Rechnungsprüfung nutzen dürfen. Alle, die hier arbeiten dürfen oder vielleicht auch müssen, finden hier gute Arbeitsbedingungen: helle und große Büros mit schönem Mobiliar und guter IT-Ausstattung, gute Lage, Parkmöglichkeiten, usw. - alles in allem: eine gute Basis für eine gute Atmosphäre, aber auch für qualitativ hochwertige Arbeit.

Doch zunächst zum wichtigsten Anlass der heutigen Veranstaltung:

Lieber Herr Roßmann, wir möchten Sie heute in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden. Sie haben im Vorfeld zwar ausdrücklich gewünscht, für den Tag Ihrer Verabschiedung keinen großen Aufwand zu treiben. Aber ein gewisser repräsentativer Rahmen muss sein und ich denke, dass wir für Sie, aber auch für die Rechnungsprüfung den richtigen und angemessenen Rahmen gewählt haben.

Wie ich Sie einschätze, wäre es Ihnen sicherlich lieber, wenn ich auf die nächsten Sätze verzichten würde. Aber ein wenig Lob und Anerkennung gehört heute einfach dazu! Schon Sigmund Freud wusste: „Gegen Kritik kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos!"

Sicherlich hätten Sie sich am Anfang Ihres beruflichen Weges nicht träumen lassen, dass Sie einmal das Spitzenamt der Besoldungsordnung A erreichen werden. Begonnen haben Sie Ihren Berufsweg mit einer Kaufmannslehre im Groß- und Außenhandel. Nach kurzen Beschäftigungen bei der Firma BayWa AG sowie bei der Stadt München begannen Sie am 01.09.1967 Ihre „Karriere" beim Freistaat Bayern, konkret bei der damaligen Bezirksfinanzdirektion München.

Nach der Anstellungsprüfung für den gehobenen Dienst in der Finanzverwaltung im Jahre 1970 waren Sie zunächst bei der BFD München als Sachbearbeiter in der Rechtsabteilung eingesetzt und mit der Geltendmachung von auf den Freistaat Bayern übergegangenen Schadensersatzansprüchen befasst.
Schon bald, nämlich 1971, wechselten Sie zur Universität Augsburg. Hier konnten Sie als Mitarbeiter des geschäftsleitenden Beamten Haushalts- und Personalerfahrung sammeln. In dieser Zeit haben Sie nebenbei das Verwaltungsdiplom an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Augsburg erworben.

Sehr gut qualifiziert wechselten Sie 1980 in die Rechnungsprüfung, zum Staatl. Rechnungsprüfungsamt Augsburg. Bis heute, also über 30 Jahre lang, sind Sie der Rechnungsprüfung in verschiedenen Funktionen treu geblieben. Beim Staatl. Rechnungsprüfungsamt Augsburg prüften Sie Förderungen im Bereich der Landwirtschaftsverwaltung. Auch wenn damals die Rechnungsprüfungsämter mit ihren Prüfungen noch nicht so eng an den ORH angebunden waren, wurde der ORH auf Sie aufmerksam und gewann Sie 1985 für das Prüfungsgebiet III im ORH. Hier prüften Sie Zuwendungen in der Landwirtschaft. Im Laufe der Jahre deckten Sie fast das gesamte Prüfungsspektrum in der Landwirtschaftsverwaltung ab. Als einer der Ersten haben Sie sich mit EU-Themen befasst. Ihre Prüfungsergebnisse sind mehrfach in die Jahresberichte des ORH eingeflossen. Sie scheuten kein Prüfungsthema und zeigten größte Flexibilität.

Mit Ihrem Wissen, Ihren Erfahrungen in der Rechnungsprüfung und Ihrer sozialen Kompetenz haben Sie sich 2006 erfolgreich für die Funktion des Leiters des Staatl. Rechnungsprüfungsamts Ansbach in Nürnberg beworben. 5 ½ Jahre lang standen Sie an der Spitze dieses Amtes. Das positive Selbstbewusstsein, das Sie mir in Ihrer damaligen Bewerbung und im Auswahlgespräch gezeigt haben, zog sich wie ein roter Faden durch Ihre Zeit als Amtsleiter.

Als Amtsleiter und Prüfungsbereichsleiter haben Sie sich schnell in neue Themen eingearbeitet und neue Ideen eingebracht. Ich denke hier vor allem an die Personalausgabenprüfung in Ansbach. Den laufenden Veränderungsprozess haben Sie immer unterstützt. Sie haben aber auch den Finger erhoben und Dinge kritisch hinterfragt, z.B. wenn es um die Kompetenzen des Amtsleiters bzw. des Prüfungsbereichsleiters ging.
Vorbildlich und mit viel Engagement haben Sie die Prüfungen Ihrer Prüferinnen und Prüfer begleitet, die Ziele vorgegeben und die Richtung bestimmt. So haben Sie sich noch in Ihren letzten Arbeitstagen vorbildlich in die sog. Stichprobenprüfung oder in die Prüfung des Medizinischen Dienstes bei den Landgerichten eingebracht. Das Prüfungsgeschäft stand bei Ihnen im Vordergrund. „Eigentlich bin ich auch als Amtsleiter mit ganzem Herzen Prüfungsbeamter geblieben," sagten Sie kürzlich. Eine, wie ich meine, gute Einstellung.

Ich weiß sehr wohl, dass Sie als Amtsleiter immer wieder mehr eigenständige Prüfungen für Ihr Rechnungsprüfungsamt eingefordert haben. Sie haben im ORH oft für Ihr Anliegen geworben. Andererseits weiß ich aus den Arbeitsplanbesprechungen in den erweiterten Kleinen Kollegien, dass die Möglichkeiten der Delegation von Prüfungsaufgaben in den Kollegien des ORH sehr gut überlegt und sorgfältig abgewogen werden. Ich kann Ihnen aber versichern: Das Vertretbare wird gemacht!

In Ihre Amtszeit fiel auch der eingangs erwähnte Umzug in dieses schöne Gebäude. Die Bauphase war nicht immer ganz einfach, aber dank Ihres Verhandlungsgeschicks sehr erfolgreich. Rückblickend zählt nur das Ergebnis: Zum Wohle Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter passt hier alles bestens!

Auch die Diensträume am Standort Nürnberg wurden in Ihrer Amtszeit renoviert und mit neuem Mobiliar ausgestattet. Sie hinterlassen also auch in Nürnberg ein gut bestelltes Haus. Sie haben sehr dafür gekämpft, dass die Dienststelle in Nürnberg weiter in der Plobenhofstraße untergebracht bleiben kann. Wie Sie alle vielleicht wissen, war die Kündigung der Diensträume vom damaligen Vermieter bereits ausgesprochen und das gesamte Gebäude zeitweise Spielball verschiedener Immobilienfonds.

Lieber Herr Roßmann, mit dem Ende dieses Monats endet nun Ihr aktiver Dienst für den Freistaat Bayern. Für alles, was Sie in Ihren vielen Berufsjahren für den Freistaat Bayern und hier ganz besonders für die Rechnungsprüfung geleistet haben, spreche ich Ihnen meinen herzlichen Dank und meine Anerkennung aus.

Ihnen, sehr geehrte Frau Roßmann, danke ich, dass Sie Ihren Mann auf seinem beruflichen Weg begleitet und unterstützt haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie Ihren Mann v. a. in den vergangenen 5 ½ Jahren gerne öfter gesehen hätten. Aber das wird sich jetzt sicherlich wieder ändern.

Sehr geehrte Frau Roßmann, sehr geehrter Herr Roßmann, ich wünsche Ihnen für die gemeinsame Zukunft alles erdenklich Gute, vor allem eine gute Gesundheit und viel Zeit für- und miteinander. Nutzen Sie die Zeit, die Ihnen bisher für gemeinsame Unternehmungen fehlte.

Sehr geehrter Herr Hliwa,

am 30.01.2012 habe ich Ihnen mitgeteilt, Sie zum Amtsleiter des Staatl. Rechnungsprüfungsamts Ansbach in Nürnberg bestellen zu wollen. Sie haben sich im Auswahlverfahren gegenüber ebenfalls sehr gut qualifizierten Konkurrenten durchgesetzt. Wie Sie alle sicherlich wissen, laufen nicht alle Personalauswahlentscheidungen so glatt, weshalb auch die Nachfolge von Herrn Vizepräsidenten Fischer noch nicht abschließend entschieden ist.

Doch zurück zu Ihnen Herr Hliwa: Sie haben sich sichtlich gefreut, diese neue Herausforderung annehmen zu dürfen. Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen diese Freude für die anstehenden Aufgaben immer erhalten bleibt. Als künftiger Amtsleiter und Vorgesetzter werden Sie es nicht immer leicht haben, aber welche Führungsaufgabe fordert nicht und macht schon immer Freude, geschweige denn Freunde?

Die Rechnungsprüfungsämter haben sich zu einer festen Größe im System der Rechnungsprüfung entwickelt. Im Laufe der Jahre sind die Rechnungsprüfungsämter näher an den ORH herangerückt, arbeiten Hand in Hand mit dem ORH und werden mehr und mehr in dessen Aufgaben eingebunden. Wie mir die Beratungen im Großen Kollegium zum Jahresbericht 2012 wieder gezeigt haben, sind viele Ihrer Feststellungen aus eigenen und gemeinsamen Prüfungen hier eingeflossen. Sie können daran sehen, dass die Qualität Ihrer Arbeit stimmt, auch wenn es aus Ihrer Sicht auf dem Weg so manches Mal knirscht.

Vieles, wozu auch die Zusammenarbeit ORH und Rechnungsprüfungsämter gehört, habe ich in den letzten Jahren kritisch hinterfragt. Wir werden auf der nächsten Klausurtagung des Kollegiums Mitte März wieder einmal über die Möglichkeiten der besseren Zusammenarbeit diskutieren müssen. Wir müssen an uns arbeiten und dürfen nicht stehen bleiben. Andernfalls würde „unser Schwert" gegenüber den geprüften Stellen stumpf und wirkungslos.

Seien Sie aber versichert, dass die Rechnungsprüfung in Bayern insgesamt einen guten Ruf genießt - im Landtag, vor allem aber auch in der Öffentlichkeit. Gerade in der Öffentlichkeit habe ich in den letzten Monaten aufgrund meiner Äußerungen zum Thema Staatsverschuldung viel Unterstützung erfahren. Mit dem Herrn Ministerpräsidenten habe ich vor ein paar Tagen ein ausführliches Gespräch führen dürfen. Sicherlich standen dabei aktuelle Themen wie Staatsverschuldung, Versorgungsfonds und Versorgungsrücklage im Vordergrund. Ich konnte ihm aber auch die Struktur der Rechnungsprüfung näher bringen und v.a. auch, dass wir mit den Rechnungsprüfungsämtern ein wichtiges Standbein in der Region haben.

Aber wieder zurück zum zweiten Teil der heutigen Veranstaltung, der Einführung des neuen Amtsleiters:
Mit Ihnen, Herr Hliwa, übernimmt ein Beamter die Leitung des Rechnungsprüfungsamts Ansbach, der viel Berufserfahrung in der Rechnungsprüfung mitbringt. Seit nunmehr über 20 Jahren sind Sie in verschiedenen Funktionen im ORH tätig. Nach Ihrer Ausbildung in der Versorgungsverwaltung sind Sie an das Bayer. Landessozialgericht gewechselt, wo die Datenverarbeitung zum Schwerpunkt Ihrer beruflichen Tätigkeit wurde. Mit Ihren DV-Kenntnissen wechselten Sie 1988 an den ORH. Zunächst begleiteten Sie die ersten Schritte der im ORH eingesetzten DV-Systeme. 1993 lockte Sie der Prüfungsdienst und zwar das damalige DV-Prüfungsgebiet XIV. So mancher Jahresberichtsbeitrag zur DV in der Staatsverwaltung trägt Ihre Handschrift. Von 2004 bis 2007 waren Sie dann federführend beim ORH-Projekt „Open-Source-Software" eingesetzt. Das Projekt fand vielleicht zu wenig Akzeptanz bei den Beschäftigten, vielleicht war auch die Zeit für OSS noch nicht reif genug, egal, ...... Mit der Entscheidung, das Projekt aufzugeben, kehrten Sie, vielleicht auch etwas enttäuscht, wieder in den Prüfungsdienst zurück, und zwar als IT-Prüfer in das Prüfungsgebiet IX. Wieder packten Sie hier gewichtige Prüfungsthemen im DV-Bereich an. Herausheben möchte ich das sog. „IuK-Gutachten" für die Bayerische Staatsregierung und aktuell die DMS-Prüfung.

In all diesen Jahren haben Sie bewiesen, dass Sie allen Aufgabenstellungen, auch komplexen und schwierigen, bestens gewachsen sind. Sie verfügen über ein hervorragendes IT-Wissen, ein breites Verwaltungswissen über viele Geschäftsbereiche hinweg, aber auch über ein gutes Allgemeinwissen. Bei all Ihren Prüfungen haben Sie bewiesen, dass Sie Wesentliches herausstellen sowie konzeptionell und im Team arbeiten können. Als Teamleiter ist es Ihnen bei Ihren Prüfungen immer gelungen, die Prüferkollegen mitzunehmen und zu motivieren.
Um es auf den Punkt zu bringen: Sie haben sich in der Rechnungsprüfung über viele Jahre hinweg einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Sie werden diesem Ruf auch in Ihrer neuen Funktion als Amtsleiter gerecht werden.

Ich bin überzeugt, dass Sie auch in Ihrer neuen Funktion die eingeleiteten Veränderungsprozesse aktiv unterstützen werden. Sie wissen, dass mir die Qualität der Arbeit der Rechnungsprüfung wichtig ist. Sie ist der Gradmesser für unseren Ruf. Und wir haben einen, so meine ich, guten Ruf zu verteidigen!

Eine gute Arbeit setzt in unserer modernen Welt und speziell auch in der Rechnungsprüfung nun einmal eine übergeordnete Strategie, eine konkrete Planung und klare Zielvorstellungen voraus. Jeder muss auch den Anspruch an sich stellen, dass die Prüfungen zügig und effizient, sorgfältig und umfassend, qualifiziert und belastbar durchgeführt werden. Prüfungsergebnisse müssen geeignet sein, die Effizienz der geprüften Stellen zu steigern, finanzielle Auswirkungen aufzuzeigen, Kritik in konstruktiver Weise zu äußern, Problemlösungen aufzuzeigen, präventiv und zukunftsgerichtet zu wirken. Selbstverständlich sollte für jeden auch sein, am Ende einer Prüfung kritisch zurückzublicken und zu evaluieren, ob alles gut gelaufen ist und ob alle Zielvorstellungen erreicht wurden. Dass diese Dinge in der täglichen Arbeit der Rechnungsprüfung verankert werden, erwarte oder besser gesagt, verlange ich von jedem, insbesondere auch von der Führungsebene.

Sehr geehrter Herr Hliwa, mit Ihrer neuen Funktion übernehmen Sie gleichzeitig eine wichtige Führungsaufgabe. Als Amtsleiter tragen Sie Führungsverantwortung nach unten, aber auch nach oben. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn ich Ihnen sinngemäß einen Satz vom Benediktinerpater Anselm Grün zum Führungsverständnis mit auf den Weg gebe: „Führen heißt: Leben und Kreativität wecken in den Menschen und dafür sorgen, dass die Mitarbeiter aufrechter nach Hause gehen."

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Staatl. Rechnungsprüfungsamts Ansbach, mit Herrn Hliwa tritt ein neuer Amtsleiter die Nachfolge von Herrn Roßmann an. Für Sie bedeutet das natürlich eine gewisse Umstellung und Veränderung. Unterstützen Sie Herrn Hliwa, vertrauen Sie ihm! Ermöglichen Sie ihm einen guten Start! Wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt, wird die gewohnt gute Arbeit fortgesetzt werden.

Sehr geehrter Herr Hliwa, für Ihre neue Aufgabe als Amtsleiter beim Staatl. Rechnungsprüfungsamt Ansbach in Nürnberg wünsche ich Ihnen alles Gute, viel Kraft und Ausdauer sowie das notwendige Quäntchen Glück bei all Ihren Entscheidungen.