Amtsleiterwechsel beim Rechnungsprüfungsamt Augsburg

Ansprache des Präsidenten des Bayerischen Obersten Rechnungshofs, Dr. Heinz Fischer-Heidlberger, aus Anlass der Verabschiedung des derzeitigen Amtsleiters, Herrn Leitenden Regierungsdirektor Peter Hauke und der Übertragung der Leitung des Rechnungsprüfungsamts Augsburg an Regierungsdirektor Josef Linse am 27.10.2008.

Ansprache von ORH-Präsident Dr. Fischer-Heidlberger am 27.10.2008 in Augsburg

Sehr geehrte Damen und Herren,ich darf Sie alle in den neuen Räumen des Staatlichen Rechnungsprüfungsamts Augsburg in der Halderstraße, im Herzen von Augsburg, sehr herzlich willkommen heißen. Mein erster Eindruck sagt mir, dass Sie mit Ihrer Dienststelle hier gut untergebracht sind: zentrale Lage in Augsburg, Bahnhofsnähe, Parkmöglichkeiten, helle und große Büros, jetzt auch mit neuer IT-Ausstattung, usw. Man spürt die angenehme und freundliche Atmosphäre. Für mich gehören eine gute Arbeitsumgebung und optimale Arbeitsbedingungen zu den wichtigsten Voraussetzungen, um gute Arbeitsleistungen bringen zu können. Deshalb bin ich allen dankbar, die am Umzug von der Bahnhofstraße hierher aktiv mitgearbeitet haben.

Ich freue mich, dass Sie alle meiner Einladung zur heutigen Verabschiedung des Leiters des Staatlichen Rechnungsprüfungsamts Augsburg, Herrn LRD Peter Hauke, und gleichzeitiger Übertragung der Leitung des Amtes an Herrn RD Josef Linse gefolgt sind.

Besonders darf ich zur heutigen Feierstunde Herrn Hauke mit seiner Gattin und seinem Sohn sowie Herrn Linse mit seiner Gattin begrüßen.

Der Bund der Steuerzahler hat kürzlich die Verabschiedung und Einführung eines Behördenleiters beanstandet. Nach dessen Auffassung hatten zu viele Ehrengäste und Mitarbeiter an der Feier teilgenommen. Unsere Feier ist angemessen. Ich stelle mich hier jeder Auseinandersetzung. Hier werden Kontakte geknüpft und vertieft, Erfahrungen werden ausgetauscht, aktuelle Prüfungsthemen werden diskutiert. Das Rechnungsprüfungsamt Augsburg wird noch über mehrere Jahre aus zwei Dienststellen bestehen. Das Zusammenleben muss gestaltet werden. Dabei bin ich mir durchaus bewusst, dass sich organisatorische Veränderungen auch in der Rechnungsprüfung nicht reibungslos umsetzen lassen.

Die Zusammenführung der Dienststellen Augsburg und München, sehr geehrter Herr Hauke, war eine besondere Herausforderung in Ihrem langen Berufsleben.

Ich weiß, dass Sie keinen allzu großen Wert darauf legen, dass ich Ihnen jetzt die Daten Ihrer beruflichen Laufbahn aufzähle. Aber ein wenig Lob und Anerkennung muss jeder ertragen! Für mich sind Sie ein gutes Beispiel dafür, dass auch schon das geltende Dienstrecht viel Raum für Flexibilität und Durchlässigkeit bietet.
Sicherlich hätten Sie sich am Anfang Ihres Berufsweges nicht träumen lassen, dass Sie einmal das Spitzenamt der Besoldungsordnung A erreichen werden. Begonnen hat Ihre lange Laufbahn im Dienste des Freistaates Bayern beim Finanzamt Mühldorf als Steuerschüler am 01.08.1961. Nach der Ausbildung und gut vier Jahren Tätigkeit, u.a. als Betriebsprüfer beim Finanzamt München-Nord wechselten Sie 1971 zum Staatsministerium der Finanzen, wo Sie in der Haushaltsabteilung - zuständig für den staatlichen Hochbau - eingesetzt waren. Nebenbei bemerkt, war Herr Conrad, den ich noch herzlich begrüße, damals ebenfalls in der Haushaltsabteilung des Finanzministeriums eingesetzt. Als Haushaltssachbearbeiter hatten Sie, Herr Hauke, auch mit dem ORH zu tun. Der Rechnungshof wollte damals seinen Erweiterungsbau in der Kaulbachstraße errichten. Das fand gar nicht den Beifall des kritischen Haushälters Hauke. Im Ergebnis hat der ORH schließlich seine Unabhängigkeit ausgespielt und gebaut. Das hatte Folgen: Sie waren den Headhuntern des Rechnungshofs aufgefallen; man hat Sie einfach abgeworben und Herr Conrad ließ Sie ziehen. Am 1. Mai 1974 konnten Sie den Prüfungsdienst im ORH antreten.

Der Rechnungsprüfung sind Sie bis heute, also über 34 Jahre lang in verschiedenen Funktionen treu geblieben:

Mit Ihren vielseitigen Kenntnissen, auch auf betriebswirtschaftlichem und bilanztechnischem Gebiet, haben Sie als Prüfungsbeamter ein vielschichtiges Arbeitsfeld bewältigen müssen. Besonders hervorheben möchte ich Ihre Prüfung der Bayerischen Versicherungskammer. Diese Prüfung hat die Versicherungskammer in ihrer Entwicklung zum heutigen Unternehmen mit beeinflusst. Ihr Einsatz und Durchsetzungsvermögen, Ihre Urteilsfähigkeit und wirtschaftliche Denkweise haben zum Erfolg dieser wegweisenden Prüfung beigetragen. Mit Ihrem Beitrag hierzu haben Sie sich Anerkennung und hohe Wertschätzung erworben.

Nach 21 Jahren im Prüfungsdienst des ORH wurden Sie 1995 zum Leiter des Staatlichen Rechnungsprüfungsamts Regensburg bestellt. Im Jahr 2000 haben Sie dann die Leitung des Staatlichen Rechnungsprüfungsamts München übernommen. Ab 1. Dezember 2005 haben Sie zusätzlich das Staatliche Rechnungsprüfungsamt Augsburg geleitet. Wie Sie alle wissen, wird das Staatliche Rechnungsprüfungsamt München als ein Ergebnis unserer Reformbemühungen seit 1. Januar 2008 als Dienststelle des Staatlichen Rechnungsprüfungsamts Augsburg fortgeführt. Seither waren Sie Leiter eines Amtes mit den Dienststellen in Augsburg und München.

13 Jahre lang standen Sie an der Spitze der Rechnungsprüfungsämter Regensburg, München und Augsburg. In dieser Zeit hat sich viel verändert und bewegt. Als Folge der 1997 begonnenen Neuorganisation sind die Rechnungsprüfungsämter mehr und mehr in die Arbeit des ORH eingebunden worden. Die Rechnungsprüfungsämter sind näher an den ORH herangerückt, sie wurden mehr und mehr in die Verantwortung genommen. Als Amtsleiter und Prüfungsbereichsleiter waren Sie, sehr geehrter Herr Hauke, Schnittstelle zwischen Rechnungsprüfungsamt und ORH. Mit Ihren Erfahrungen und Ihrem Engagement haben Sie Ihre Funktion gut ausgefüllt und sich dem Änderungsprozess nicht verschlossen. Sie haben aber auch nicht jede neue Entwicklung kritiklos hingenommen, was Sie charakterisiert und auszeichnet. Vielmehr haben Sie, wenn Sie es für angebracht hielten, den Finger erhoben und den Reformprozess hinterfragt. Dies war insbesondere dann der Fall, wenn Sie die Kompetenzen des Amtsleiters oder des Prüfungsbereichsleiters beeinträchtigt sahen. Leicht hatten es Ihre Vorgesetzten nie! Aber welche Führungsaufgabe macht schon immerwährende Freude und Freunde? Das wissen Sie selbst am Besten.
Sehr geehrter Herr Hauke, mit dem Ende dieses Monats geht für Sie der aktive Dienst für den Freistaat Bayern zu Ende. Für alles, was Sie in 47 Berufsjahren für den Freistaat Bayern und ganz besonders für die Rechnungsprüfung geleistet haben, spreche ich Ihnen meinen herzlichen Dank und meine Anerkennung aus. Ich darf Ihnen zum Ruhestandseintritt diese Urkunde überreichen.

Ihnen, verehrte Frau Hauke, danke ich, dass Sie Ihren Mann auf seinem beruflichen Weg begleitet und unterstützt haben.
Sehr geehrte Frau Hauke, sehr geehrter Herr Hauke, ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles erdenklich Gute, vor allem eine beständige Gesundheit und viele gemeinsame schöne Stunden. Nutzen Sie jetzt die Zeit, die bisher fehlte, um z.B. mehr Golf zu spielen, mehr zu reisen und sonstige Hobbies auszuüben.

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Dienstbesprechungen und meinen Besuchen bei den Rechnungsprüfungsämtern habe ich Ihnen bestmögliche Rahmenbedingungen versprochen, damit die Qualität unserer Arbeit auf hohem Niveau gehalten werden kann. Dazu gehört auch die IT-Ausstattung. Ich bin überzeugt, dass eine hochwertige und moderne IT-Ausstattung maßgeblich die Qualität Ihrer Arbeit beeinflusst. Zudem halte ich es für äußerst wichtig, dass alle Beschäftigten mit den gleichen Systemen und Programmen arbeiten. Unseren Zeitplan für die IT-Neuausstattung konnten wir aber nicht einhalten.

Heute brauche ich Ihnen nichts zu versprechen, denn In ein paar Tagen sind wir am Ziel: alle Arbeitsplätze im gesamten Geschäftsbereich werden mit den neuen Programmen und mit neuen, leistungsfähigeren Geräten ausgestattet sein. Ich meine, damit ist ein sehr guter Standard erreicht, der insbesondere die Zusammenarbeit erleichtert und fördert.

Ich will aber nicht stehenbleiben. Der nächste Schritt steht bevor: ein IT-System zur Unterstützung der Arbeitsplanung und zur Dokumentation der Prüfungsergebnisse, (APLADOS) soll bereits zum Geschäftsjahr 2009 eingeführt werden. Mit einem weiteren IT-Werkzeugsoll daneben die operative Steuerung der Prüfungen erleichtert werden. Mit diesen neuen Instrumenten soll mehr Transparenz in unser Prüfungsgeschehen kommen.

Wir arbeiten auch inhaltlich an vielen Themen, um unsere Effizienz zu steigern.

Wie Sie vielleicht wissen, haben wir seit Anfang des Monats Leitlinien für die Pressearbeit erlassen. Sie sind im Intranet veröffentlicht. Auch hier ist die Unterstützung der Rechnungsprüfungsämter, die Unterstützung aller Beschäftigten gefragt. Ich nehme Sie bewusst in die Pflicht. Denn die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist mir ein besonderes Anliegen, ich halte sie für enorm wichtig für die Wirksamkeit unserer Arbeit: Die Öffentlichkeit ist unser "Schwert"!

Des Weiteren diskutieren wir aktuell, wie wir agieren wollen oder - besser gesagt - müssen, wenn sich bei der Prüfung Hinweise auf strafrechtlich relevantes Verhalten ergeben. Auch hier wollen wir auf eine neue Arbeitsregel hinarbeiten, die Ihre Arbeit erleichtert, Sie aber gleichzeitig in die Verantwortung nimmt.

Die Beratungen im Großen Kollegium zum Jahresbericht 2008 sind abgeschlossen. Am Ende der Beratungen habe ich zur Diskussion gestellt, ob wir auch dieses "Prozedere" hinterfragen und möglicherweise ändern müssen, um die Qualität des Jahresberichts weiter zu steigern.

Sehr geehrte Damen und Herren, mir geht es um die Qualität unserer Arbeit. Deshalb meine Bitte: unterstützen Sie mich in meinen Reformbemühungen, bringen Sie sich aktiv ein und --- lassen Sie mich nicht allein! Glauben Sie mir: auch in der Rechnungsprüfung sind Innovation und Fortschritt notwendig! Auch für uns gilt: "Stillstand heißt Rückschritt."

Die Rechnungsprüfung hat sicherlich einen guten Ruf im Landtag und in der Öffentlichkeit. Wir haben eine neue Situation im Landtag mit jetzt fünf, statt drei Fraktionen. In der Staatsregierung wird es Veränderungen geben. Es gibt neue Mitglieder im Haushaltsausschuss und einen neuen Vorsitzenden. Es muss uns gelingen, Vertrauen und Verständnis für unsere Arbeit zu gewinnen. Das gelingt am besten, wenn wir durch unsere Arbeit überzeugen.

Sehr geehrter Herr Linse,

als ich Ihnen vor fünf Wochen meine Absicht mitgeteilt habe, Sie zum Amtsleiter des Staatlichen Rechnungsprüfungsamts Augsburg zu bestellen, waren Sie sehr positiv überrascht. Sie haben sich sichtbar gefreut. Ich bin mir deshalb ganz sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen diese Freude für die anstehenden Aufgaben erhalten bleibt.

Am 02.08.1971 begannen Sie beim Finanzamt Nördlingen als Steueranwärter Ihren beruflichen Weg. Nach der Steuerinspektorenprüfung 1977 waren Sie beim Finanzamt München I zunächst als Betriebsprüfer und später als Großbetriebsprüfer eingesetzt. 1983 wechselten Sie in den Prüfungsdienst beim ORH. Seitdem sind Sie für die Prüfung der Steuereinnahmen zuständig. In den Jahren 1992 und 1993 waren Sie zeitweise an den Sächsischen Rechnungshof abgeordnet und unterstützten als sog. Aufbauhelfer die Prüfung verschiedener sächsischer Finanzämter. In all den Jahren haben Sie bewiesen, dass Sie schwierigen und komplexen Aufgabenstellungen gewachsen sind. Sie verfügen über ein ausgereiftes Fachwissen auf dem Gebiet des Steuerrechts. Sie waren an verschiedenen Organisationsprüfungen bei den Finanzämtern federführend beteiligt. Sie haben als Teamprüfer und Teamleiter einen ausgezeichneten Ruf. Im Zuge der Neuorganisation der Rechnungsprüfungsämter wurden bei den RPrÄ Ansbach und jetzt Augsburg Teams für die Steuerprüfung aufgebaut. Es gehörte in den letzten Jahren zunehmend zu Ihren Aufgaben, gemeinsame Prüfungen mit diesen Teams durchzuführen und zu koordinieren. Die Zusammenarbeit mit den Prüfern vor Ort ist also nichts Neues für Sie.

Sehr geehrter Herr Linse, über 25 Jahre hinweg haben Sie sich in der Rechnungsprüfung einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Ich bin überzeugt, dass Sie diesem Ruf auch in Ihrer neuen Funktion als Amtsleiter gerecht werden. Sicher werden Sie die neuen Herausforderungen, die jetzt auf Sie zukommen, engagiert und auch mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl meistern. Mit Ihrer neuen Funktion übernehmen Sie gleichzeitig eine Führungsaufgabe. Zu Ihren wichtigsten Aufgaben gehört die Zusammenführung der Dienststellen Augsburg und München. "Führen heißt zusammenführen" – diese drei Worte darf ich Ihnen mit auf den Weg geben.

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit Herrn Linse kommt ein Teamplayer als neuer Leiter des Amtes nach Augsburg. Herr Linse wird viel für das Team "Rechnungsprüfungsamt Augsburg" tun müssen. Auch auf der fachlichen Ebene ist Teamdenken angesagt. Es entstehen neue Aufgaben und Strukturen; und auf eine Teambildung des RPrA Augsburg mit dem ORH lege ich besonderen Wert.

Sehr geehrter Herr Linse, für Ihre neue Aufgabe wünsche ich Ihnen alles Gute, viel Kraft und Ausdauer sowie das notwendige Quäntchen Glück in Ihren Entscheidungen.