Beratende Äußerungen

Kunst am Bau im Staatlichen Hochbau

Skulptur "Drei Delphine" von Erich Hoffmann; Bild: ORH
Nach Art. 3 der Bayerischen Verfassung ist Bayern ein „Kulturstaat“. Die Verfassung verpflichtet Staat und Gemeinden konkret, Kunst und Wissenschaft zu fördern. Deshalb unterstützt der Freistaat zeitgenössische bildende Künstler im Rahmen von Kunst am Bau. Aktuell werden bei Großen Baumaßnahmen des Staates, soweit Zweck und Bedeutung es rechtfertigen, insgesamt bis zu 2 % der Kosten der Bauwerke zweckgebunden für Kunst am Bau aufgewendet. So entsteht fortlaufend ein bayernweit wachsender Bestand an Kunstobjekten. Von 2010 bis 2016 wurden bei Großen Baumaßnahmen 6,2 Millionen Euro allein für die Neubeschaffung von Kunstwerken aufgewendet. Aus dem Kulturstaatsgebot ergibt sich aber auch die Verpflichtung, die Kunstwerke zu pflegen und zu bewahren.

Beratung der Bayerischen Staatsregierung gemäß Art. 88 Abs. 2 BayHO

Der ORH hat die sachgerechte und ordnungsgemäße Beschaffung von 123 neuen Kunstobjekten geprüft sowie die Verwaltung, Pflege und Instandhaltung von 1.661 vorhandenen Kunstobjekten untersucht. Aus seiner Prüfung leitet der ORH für die Staatsregierung folgende fünf Empfehlungen ab:

  • Der ORH empfiehlt, den Gesamtbestand von Kunst am Bau zentral und einheitlich zu erfassen. Derzeit ist der Bestand weder zentral inventarisiert noch monetär bewertet. Dadurch fehlt die Grundlage für eine ordnungsgemäße Verwaltung, Pflege und Instandhaltung. Vielerorts wurde Kunst am Bau sogar entfernt, eingelagert und vergessen. Mit einer Inventarisierung in einem „digitalen Depot“ gehen die Informationen über diese verborgenen Kunstwerke nicht verloren und sie können ggf. für andere Standorte erschlossen werden.
  • Der ORH empfiehlt dringend ein Konzept zu erstellen, wie der immaterielle und materielle Wert der Kunstwerke bewahrt und der dauerhafte Unterhalt der Kunstwerke sichergestellt werden kann. Viele Kunstwerke sind nämlich in einem schlechten Zustand. An 38 Beispielen zeigt der ORH, wie Kunst am Bau teilweise vermüllt, zerstört, stillgelegt, eingelagert oder auch beseitigt wurde.
  • Der ORH empfiehlt, beim Auswahlverfahren für die Kunst am Bau die künftigen Nutzer des Gebäudes mit einzubeziehen und den Pflege- und Unterhaltsaufwand bei der Auswahlentscheidung zu berücksichtigen. Viele Kunstwerke haben keinen direkten Bezug zum Bauwerk, im schlimmsten Fall stehen sie nicht im Einklang mit der Nutzung und werden von den Nutzern des Gebäudes nicht wertgeschätzt. Der schlechte Zustand vieler Kunstwerke liegt auch am teils hohen Aufwand für Pflege und Instandhaltung, der die Nutzer überfordert.
  • Der ORH empfiehlt ein ressortübergreifendes und überregional tätiges Gremium aus Kunst- und Bausachverständigen, das bei der Auswahl hinzugezogen werden sollte und beratend eine fachgerechte Pflege und Instandhaltung unterstützen könnte. Die wenigsten Geschäftsbereiche beschäftigen kunstsachverständiges Personal, so dass es häufig dem Zufall überlassen bleibt, ob die Kunst am Bau fachgerecht verwaltet, gepflegt und instandgehalten wird.
  • Der ORH empfiehlt, die Kunst am Bau stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Dies könnte durch öffentlich zugängliche Informationen zu den Kunstwerken und Veranstaltungen vor Ort erreicht werden. Ein Ziel könnte ein virtuelles „Bayerisches Museum für Kunst am Bau“ sein nach dem Vorbild von bavarikon oder dem Museum der 1000 Orte.