Amtsleiterwechsel beim Staatlichen Rechnungsprüfungsamt Würzburg

Präsident mit RD Dieter Mohr
Am 10.12.2019 verabschiedete der Präsident des Bayerischen Obersten Rechnungshofs, Christoph Hillenbrand, den Amtsleiter des Staatlichen Rechnungsprüfungsamts Würzburg, Regierungsdirektor Dieter Mohr, in die Freistellungsphase der Altersteilzeit.

Anschließend übertrug er die Leitung des Rechnungsprüfungsamts Würzburg an Oberregierungsrat Martin Kübert.

Ansprache von Präsident Christoph Hillenbrand am 10.12.2019 in Würzburg.

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Frau Mohr, sehr geehrter Herr Mohr,
 
sehr geehrte Frau Kübert, sehr geehrter Herr Kübert,
 
verehrte Gäste, Kolleginnen und Kollegen,

im „Rundling“ des Zentrums Bayern Familie und Soziales darf ich Sie alle zur Verabschiedung des Amtsleiters des RPrA Würzburg, Herrn Mohr, und zur Bestellung des neuen Leiters, Herrn Kübert, sehr herzlich begrüßen.

Dem ZBFS, stellvertretend Ihnen Frau Asbahr, danke ich, dass wir die Räumlichkeiten nutzen dürfen und damit einen perfekten Rahmen für die heutige Veranstaltung haben.

Ganz besonders freut es mich, den früheren Vorsitzenden des Haushaltsausschusses, Herrn MdL a. D. Ach, in seiner Heimat begrüßen zu dürfen. Sie waren ja hier beim RPrA Würzburg Amtsleiter, bevor Sie 1994 in den Bayerischen Landtag gewählt wurden.

Wie mir gesagt wurde, hat sich der Haushaltsausschuss mit Ihnen als Vorsitzendem länger und intensiver mit den Jahresberichten des ORH befasst, als das heutzutage üblich ist - übrigens nicht nur in Bayern. Sie hatten auch immer ein Auge darauf, dass der ORH mit seinen RPrÄ selbst in finanziell schwierigen Zeiten mit einer guten Stellen- und Mittelausstattung die Prüfungsaufgaben effizient erfüllen konnte.

Selbst Genies sind halt trotz allen guten Wollens menschlich und in Finanzdingen fehlbar. Wie sagte etwa Wolfgang Amadeus Mozart so schön - laut Seite 8 des topaktuellen Programms zum Würzburger Mozartfest 2020: „Der Hauptfehler bei mir ist, dass ich nach dem Scheine nicht allzeit so handle, wie ich handeln sollte“.

Das Wissen um solche Begleitfacetten von Genialität ist auch moderner Rechnungsprüfung nicht fremd. Deshalb begleiten wir selbst die Allerbesten mit fürsorglichem Beistand externer Rechnungsprüfung - zu Nutzen und Frommen der vom Steuerzahler zu füllenden Haushaltskasse.

Ein herzliches „Grüß Gott“ nun an Herrn HPr-Vorsitzenden Schwab; ferner auch an die frühere Leiterin des RPrA, Frau Walter-Schmitt, und den früheren Leiter, Herrn Ott, sowie an die Ruheständler des RPrA Würzburg. Ihre Anwesenheit werte ich ganz einfach so, dass Sie gerne in der Rechnungsprüfung gearbeitet haben und sich weiterhin der Rechnungsprüfung verbunden fühlen.

Bisher reiste ich nach Würzburg, um mich bei allen persönlich mit einer Einladung zum Kaffee zu bedanken, die beim Jahresbericht mitgewirkt haben. Das mag nach mehr als 200 Jahren Rechnungsprüfung manchem neu erschienen sein, ist mir aber wichtig als Geste der Anerkennung und um direkten Kontakt zu Prüfern auch außerhalb des ORH zu knüpfen. Danke in diesem Zusammenhang an die PGLs und Amtsleiter, dass Sie das so positiv mittragen.

Heute ist Anlass meines und des Besuchs einer hochrangigen Riege des Großen Kollegiums Ihre Verabschiedung, Herr Mohr, aus dem aktiven Dienst und Ihre Bestellung, Herr Kübert, zum neuen Amtsleiter. Da reichen natürlich Kaffee und Kuchen des Präsidenten nicht aus.

 

Lieber Herr Mohr,

wir dürfen, oder besser gesagt, wegen Ihres Antrags auf Altersteilzeit müssen wir Sie heute verabschieden. Zugegeben: Damit sind wir ein paar Tage im Verzug. Nach einem langen Berufsleben mit einer bemerkenswerten Laufbahn sind Sie ja an sich schon seit 19.11.2019 in der Freistellungsphase der Altersteilzeit, also quasi im „Vorruhestand“.

Rückblickend auf Ihren beruflichen Weg kann ich feststellen, dass Sie Ihre Chancen beherzt genutzt und als Amtsleiter eine Spitzenfunktion in der Rechnungsprüfung erreicht haben.

Dabei pflasterten Erfolge und Beförderungen Ihren Dienstweg: 1982 haben Sie die Ausbildung für den gehobenen landwirtschaftlich-technischen Dienst beim Amt für Landwirtschaft und Tierzucht Traunstein begonnen. Ihre Anstellungsprüfung haben Sie 1984 abgelegt. Anschließend waren Sie drei Jahre lang Fachberater für Betriebswirtschaft beim Amt für Landwirtschaft und Gartenbau in Fürth. 1987 wechselten Sie an die Regierung von Mittelfranken nach Ansbach und waren als Sachbearbeiter für Agrarstruktur und Förderung eingesetzt. In dieser Zeit waren Sie für etwa ein Jahr an das Landwirtschaftsministerium in München abgeordnet und konnten Erfahrungen an einer obersten Dienstbehörde sammeln.

2001 hat Sie der damalige Prüfungsgebietsleiter III, Prof. Dr. Syrer, mit Ihren Erfahrungen auf verschiedenen Ebenen der Landwirtschaftsverwaltung für den ORH als Prüfer gewinnen können. Er ist heute unter uns und nimmt wohl auch ein bisschen Maß, wie er seinen uns bald ins Haus stehenden Abschied gestalten will.

Als ORH-Prüfer waren Sie in eine Fülle wichtiger Prüfungen im Bereich Landwirtschaft eingebunden, Themen, die uns auch heutzutage beschäftigen. Beispielhaft nenne ich die Prüfung des Sondervermögens „Milch und Fett“ oder zuletzt die Prüfung der Landwirtschaftsschulen. Neben Ihren Prüfungsaufgaben haben Sie sich fünf Jahre lang als Vorsitzender des Verbands der Prüfungsbeamten für die beruflichen Interessen der Prüferinnen und Prüfer engagiert. Dieses ehrenamtliche Engagement für die Interessen Ihrer Kolleginnen und Kollegen verdient hohe Anerkennung; es hat Ihnen hoffentlich auch ein zusätzliches Quäntchen Zufriedenheit verschafft. Die Verbandsziele haben Sie jedenfalls mit Augenmaß und in einer sehr kooperativen Art verfolgt, was mein Vorgänger zu schätzen wusste. Von ihm darf ich Sie vielmals grüßen.

Nach knapp zehn Jahren Prüfertätigkeit im ORH zog es Sie zurück in Ihre mittelfränkische Heimat. Sie wurden 2011 auf Ihren Wunsch hin an das RPrA Ansbach versetzt. Damit verbunden war ein fachlicher Wechsel in das Prüfungsgebiet I, das damals auch für die Organisation und für Personalbedarf/Personalbemessung zuständig war. Für diesen Wechsel haben wir Sie zum REFA-Organisator ausbilden lassen, was aber für Sie mehr Ansporn als Pflicht war.

Ein wichtiger, wenn nicht sogar für Sie der wichtigste Schritt in Ihrer beruflichen Vita war die Bestellung zum Amtsleiter beim RPrA Würzburg zum 1. April 2015. Das zu erreichen war, wenn ich mich an unser langes Gespräch vom Sommer bei Ihnen erinnere, eines Ihrer Lebensziele.

Erneut änderte sich mit der neuen Aufgabe für Sie der Dienstort. Das war für Sie aber kein Problem. Denn Bereitschaft zur Mobilität quer durch Bayern haben Sie ja in Ihrem gesamten Berufsleben bewiesen. Übrigens ist es jetzt mit der Pendelei vorbei. Damit es Ihnen nicht passiert, sich womöglich in alter Gewohnheit ins Büro aufzumachen, gebe ich den Tipp eines anderen Pensionisten weiter, der ebenfalls gependelt ist. Der hat sich einen Klebezettel an die Schlafzimmertür gemacht: „Heute nicht zum Bahnhof“.

Zwei Organisationsänderungen prägen Ihre Zeit als Amtsleiter:

Zu Ihrer Startzeit ging's an die Umsetzung der Neuorganisation der Rechnungsprüfung 2014. Mit diesen organisatorischen Veränderungen wurden die Rechnungsprüfungsämter noch stärker in die Arbeit des ORH eingebunden. Effizienz, Erfolg und Wirksamkeit der Rechnungsprüfung sollten dadurch weiter verbessert werden. Ein Kernpunkt der Reform war es, Prüfungsschwerpunkte bei den Rechnungsprüfungsämtern zu schaffen. Und das RPrA Würzburg war das erste, das diese Schwerpunktbildung umgesetzt hatte. Dass das so schnell gelungen ist, ist auch Ihr Verdienst, Herr Mohr.

Ein weiterer Kernpunkt war die Änderung der Aufgaben der Amtsleiter, die sich durch die Reform geändert haben, konkret gesagt: die Amtsleiter wurden neben ihren Führungsaufgaben jetzt mehr in die operative Prüfung, in Ihrem Fall in Prüfungen des PG III eingebunden. Für Sie als Prüfer mit langjähriger ORH-Erfahrung war das sicherlich kein Problem.

Vor Kurzem haben wir nun eine weitere Organisationsänderung angestoßen, die zeitnah am 1. Januar 2020 in Umsetzung geht. Im ORH schaffen wir ein neues Prüfungsgebiet IX mit den Themen Tiefbau, Wasserwirtschaft, Verkehr, Wohnungswesen, Denkmalpflege. Außerdem wird sich in einigen Bereichen die Zuständigkeit für Prüfungsthemen entsprechend dem Zuschnitt der Ressorts ändern. Dies wird sich auch auf die Organisationsstrukturen der RPrÄ auswirken.

Ihr Ziel, Herr Mohr, war es ja immer, das RPrA Würzburg als „kleines“ Rechnungsprüfungsamt personell zu stärken, um auf einem festen Fundament dessen dauerhaften Bestand zu sichern. Dazu eine Anmerkung grundsätzlicher Art: Die Auflösung eines oder mehrerer RPrÄ stand in meiner Amtszeit nicht auf der To-Do-Liste. Immer wieder weise ich darauf hin, dass die RPrÄ, insbesondere die „kleinen“ RPrÄ, bei der jetzigen Struktur der Rechnungsprüfung von mir nicht in Frage gestellt werden.

Aufgrund der aktuellen Veränderungen wird das RPrA Würzburg „profitieren“. Konkret bedeutet das: künftig wird es in Würzburg 4 Schwerpunkte geben, nämlich die Prüfungsgebiete II (Krankenhauswesen), III (Landwirtschaft/Forsten/Umwelt), VIII (Hochbau) und IX (Tiefbau/Wohnungswesen) mit insgesamt 14 bis 15 Prüferinnen und Prüfern. Ihr angesprochenes Ziel, Herr Mohr, wird im Ergebnis damit mehr als erreicht.

Sehr geehrter Herr Mohr,

zusammenfassend darf ich sagen: Wie in allen Ihren beruflichen Stationen haben Sie sich auch als Amtsleiter bestens bewährt und dabei auch soziale Kompetenz bewiesen. Wo notwendig, haben Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt und ihnen den Rücken gestärkt. Als bisheriger Amtsleiter übergeben Sie an Ihren Nachfolger, Herrn Kübert, ein gut bestelltes Haus.

Alle Ihre beruflichen Stationen beweisen große Flexibilität! Flexibel zu sein, eine der wichtigsten Eigenschaften eines Prüfungsbeamten, scheint in Ihrer Vita eine Selbstverständlichkeit gewesen zu sein. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, dass sich ein guter Prüfer niemals in einer Einbahnstraße befindet, sondern sich in andere Themenfelder einarbeiten und auf jedem Platz gute Arbeit liefern kann. Aufgabenwechsel gehören für mich zu den Säulen einer guten Personalentwicklung.

Zu Ihrer Vita gehört aber halt auch, dass Sie im Herbst letzten Jahres eine schlimme Krebserkrankung getroffen hat. Offen sind Sie damit umgegangen, weshalb ich mir erlaube, dieses nicht einfache Thema anzusprechen. Wie Sie mit bemerkenswert gelassenem Realismus von Therapieschritten erzählt haben, hat sicher nicht nur mich beeindruckt. Freilich durften Sie bei der Bewältigung der gesundheitlichen Probleme auch größtmögliche Unterstützung in der Familie erfahren. Letztlich haben Sie nun erfolgreich gegen die Krankheit angekämpft. Sie haben das geschafft mit großer Disziplin, Ausdauer, Durchhaltevermögen und Geduld. Wahrscheinlich sind das alles auch Eigenschaften, die Sie als leidenschaftlicher Tennisspieler, Läufer und Skifahrer auszeichnen.

Lieber Herr Mohr, in diesen Tagen haben Sie Ihr aktives Berufsleben beendet. Für alles, was Sie im Dienste des Freistaats Bayern getan und geleistet haben, sage ich Ihnen ein herzliches „Vergelt’s Gott“. Für Ihren weiteren Weg ohne berufliche Pflichten wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute, vor allem Gesundheit, Zufriedenheit und Gottes Segen. Pflegen Sie, wenn es Ihre Zeit erlaubt, Ihre dienstlichen und privaten Kontakte zur Rechnungsprüfung. Nutzen Sie Ihre freie Zeit und Ihre neuen Freiheiten.

Sehr geehrte Frau Mohr, Ihnen danke ich, dass Sie Ihren Mann auf seinem beruflichen Weg, besonders aber in den schwierigen Monaten der Krankheit begleitet und unterstützt haben.

 

Sehr geehrter Herr Kübert,

im Auswahlverfahren zur Neubesetzung der Amtsleiterstelle beim RPrA Würzburg haben Sie mich und Herrn Folger durchaus mit dem von Ihnen angesprochenen Themen beeindruckt. Sie stehen vor einer neuen beruflichen Herausforderung. Freilich bringen Sie als Vertreter des Amtsleiters schon reichlich Führungserfahrung mit. Sie wissen, was es heißt, als Amtsleiter gefordert zu sein und Verantwortung für ein Rechnungsprüfungsamt und seine Beschäftigten zu tragen.

Nach unserem Gespräch bin ich mir aber sicher, dass Sie für die Aufgaben des Amtsleiters gut gerüstet und bestens geeignet sind. Sie haben langjährige Prüfungserfahrung, noch dazu in verschiedenen Prüfungsgebieten. Um das Ziel der Schwerpunktbildung beim RPrA Würzburg zu erreichen, sind Sie vom PG IV zum PG VI gewechselt und haben dort schnell Fuß gefasst und gute Prüfungsergebnisse geliefert. Auch Sie sind ein positives Beispiel dafür, dass ein Aufgabenwechsel für die Personalentwicklung förderlich ist.

Mit diesem Rüstzeug werden Sie die Herausforderungen, die auf Sie zukommen, meistern. Sie haben, wie ich Sie kennengelernt habe, für Ihre Aufgaben als Amtsleiter Ihren Plan und Ihre Strategie. Sie wissen, wie Sie die neuen Herausforderungen anpacken müssen.

Jetzt nehmen Sie das Steuerrad beim RPrA Würzburg in die Hände. Schlagen Sie den richtigen Kurs ein und halten Sie ihn! Für Ihre Aufgaben gewissermaßen als Kapitän beim RPrA Würzburg wünsche ich Ihnen alles Gute, viel Kraft und Ausdauer sowie immer das notwendige Quäntchen Glück, das jede Führungskraft braucht. Auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit freue ich mich! Herzlichen Glückwunsch!

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Sehr geehrte Frau Kübert, Ihr Ehemann geht jetzt einen neuen beruflichen Weg. Damit ist verbunden, dass er zu Hause vielleicht nicht mehr so präsent sein wird, etwa weil er dienstlichen Gedanken schon beim Frühstück nachhängt. Das ist vielleicht die kleinste déformation professionelle, das bringt nun einmal eine Führungsaufgabe mit sich. Mit Sicherheit tragen Sie die Entscheidung Ihres Mannes mit und unterstützen ihn. Danke dafür!

Sehr geehrter Herr Straub, mit der Bestellung von Herrn Kübert zum Amtsleiter wird die Stelle des stellvertretenden Amtsleiters vakant. Für diese Aufgabe möchte ich Sie gewinnen. Bei unseren Gesprächen habe Sie uns als leistungsstarker Beamter beeindruckt, dem ich die Führungsaufgabe eines stellvertretenden Amtsleiters zutraue. Überzeugt bin ich, dass Sie mit Herrn Kübert an einem Strang ziehen und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Auch Ihnen wünsche ich für diese neue berufliche Herausforderung viel Freude, Erfolg und immer eine glückliche Hand bei allen Ihren Entscheidungen.

 

Geschätzte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des RPrA Würzburg,

bitte unterstützen Sie Herrn Kübert und Herrn Straub in ihren neuen Führungsaufgaben. Gehen Sie mit beiden an einen guten Start! Wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt, werden alle profitieren und wird das RPrA Würzburg eine im Interesse der Staatsfinanzen Respekt einflößende Behörde bleiben.

Mitten im Advent darf ich Ihnen und Ihren Familien nun schon heute ein frohes Weihnachtsfest wünschen. Und fürs neue Jahr 2020 viel Glück, Gesundheit und Erfolg. Es gilt die Empfehlung:

War`s alte Jahr gut, freu dich aufs neue. Und war es schlecht, dann erst recht.